Die Kundin X beanstandete Mehrwertdienstgebühren auf der Rechnung ihres Fernmeldedienstanbieters im Zusammenhang mit einer Bezahlfunktion von Y. Die Kundin ist nicht bereit, diese Kosten zu bezahlen und macht eine Beanstandung gegen die Fernmeldedienstanbieterin Y geltend, welche im vorliegenden Verfahren Verfahrespartei ist. Mit dem ausländischen Dienstanbieter Z ist die Kundin vorgängig zu keiner Lösung gekommen. Der Ombudsmann musste sich mit der Frage auseinandersetzen, ob die Kundin das Abonnement des ausländischen Dienstanbieters aktiviert hat und die Mehrwertdienstgebühren in Höhe von CHF 192.00 gegenüber der Fernmeldedienstanbieterin Y geschuldet sind. Nachforschungen ergaben, dass der Dienst im Internet nachträglich entfernt wurde und keine Testanmeldung durch den Ombudsmann hat erfolgen können. In diesem Zusammenhang war auch eine Überprüfung der Einhaltung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen gemäss der Fernmelde- (FDV) und Preisbekanntgabeverordnung (PBV) nicht möglich. Weiterführende Informationen lagen seitens Dienstanbieter Z und Fernmeldedienstanbieterin Y nicht vor, was der Ombudsmann als ungenügender Forderungsnachweis wertete und die Forderung als nicht geschuldet betrachtete.

SCHLICHTUNGSVORSCHLAG

Mit Eingabe vom 19. Januar 2016 reichte X ein Begehren um Durchführung eines Schlichtungsverfahrens ein. Der Ombudsmann prüfte diese Eingabe samt allen dazu übermittelten Dokumenten und forderte eine Stellungnahme vom betroffenen Anbieter an. Nach Prüfung der Ausführungen der Parteien und der eingereichten Unterlagen kann der Ombudsmann einen Schlichtungsvorschlag unterbreiten.

Der vorliegende Schlichtungsvorschlag berücksichtigt sowohl die rechtlichen Bestimmungen, einzelne Argumente des Kunden als auch einzelne Argumente des Anbieters. Rechtliche Erörterungen werden - soweit notwendig - ebenfalls miteinbezogen. Im Rahmen dieses Schlichtungsverfahrens werden nur die wesentlichen Punkte des Schlichtungsbegehrens und der Stellungnahme des Anbieters berücksichtigt. Der Ombudsmann kann die Argumente der Parteien nicht wie in einem Gerichtsverfahren überprüfen.

A. AUSFÜHRUNGEN IM SCHLICHTUNGSBEGEHREN

Dem Schlichtungsbegehren von X wird Folgendes entnommen:

»Frau X bemerkt auf der Rechnung für ihr Mobiltelefon-Abo Gebühren für ihr unbekannte Dienstleistungen. Wie sich herausstellt, wurden seit Juli 2015 pro Woche CHF 8 verrechnet (bisher insgesamt CHF 176) für »EP: Z«. Auf Anfrage beim Provider (Y) sagt man Frau X, sie müsse sich bei Fragen zu diesen ihr unbekannten Dienstleistungen direkt an den Anbieter (Z, eine Firma mit Sitz in Dubai) wenden. Dieser Anbieter behauptete dann, Frau X habe ein Abo für Online-Kurse gelöst, was Frau X jedoch bestreitet.

Auf ein erstes Beschwerdeschreiben antwortet die Y nur telefonisch und lehnt eine Rückerstattung der Kosten ab. Auf ein zweites Beschwerdeschreiben antwortet die Y mit einem wohl nur leicht angepassten Standardschreiben, aus dessen Inhalt geschlossen werden kann, dass das zweite Beschwerdeschreiben entweder nicht gelesen oder nicht verstanden wurde.

Ziel ist:

  • Rückerstattung der irrtümlicherweise bereits bezahlten Gebühren für die von Frau X nie bestellten und nie genutzten Dienstleistungen (Rechnungen Juli bis September 2015, CHF 104)
  • Verzicht auf Gebühren für die von Frau X nie bestellten und nie genutzten Dienstleistungen (die teilweise bereits in Rechnung gestellt, jedoch nicht bezahlt wurden) (Rechnungen Oktober bis Dezember 2015, CHF >=72).“

B. STELLUNGNAHME DES ANBIETERS

Y hat innert Frist keine Stellungnahme eingereicht, weshalb sich die Überlegungen des Ombudsmanns hauptsächlich auf die Unterlagen und Informationen des Kunden stützen.

C. EINTRETENSVORAUSSETZUNGEN

Gemäss Art. 12c Abs. 1 des Fernmeldegesetzes (FMG / SR 784.10) und Art. 43 Abs. 1 der Verordnung über Fernmeldedienste (FDV / SR 787.101.1) kann ombudscom als Schlichtungsstelle bei zivilrechtlichen Streitigkeiten zwischen Kundinnen oder Kunden und Anbietern von Fernmelde- oder Mehrwertdiensten angerufen werden. Die weiteren Voraussetzungen zur Einleitung des Schlichtungsverfahrens sind in Art. 45 Abs. 2 FDV sowie Art. 8 des Verfahrens- und Gebührenreglements von ombudscom geregelt: Das Schlichtungsbegehren muss mit dem dafür vorgesehenen Formular eingereicht werden. Die einreichende Partei muss glaubhaft darlegen, dass sie mit der anderen Partei in der Regel während der letzten 12 Monate eine Lösung gesucht hat. Das Schlichtungsbegehren darf nicht offensichtlich missbräuchlich sein und es darf sich kein Gericht oder Schiedsgericht mit der Sache befassen oder befasst haben.

Mit E-Mail vom 17. Dezember 2015 wendet sich die Kundin an den Dienstanbieter Z und beanstandet die Mehrwertdienstgebühren. Es wird aufgefordert, einen Nachweis für die Gebühren zu erbringen.

Mit E-Mail vom 18. Dezember 2015 antwortet der Anbieter und sendet der Kundin die Aktivierungsdaten und Erklärungen zum Dienst zu. Der Dienst sei gekündigt worden.

Mit E-Mail vom 14. Januar 2016 verlangt die Kundin erneut die Rückerstattung der gesamten Gebühren in der Höhe von CHF 192.00. Es sei kein Dienst abonniert worden.
Mit E-Mail vom 15. Januar 2016 entgegnet der Dienstanbieter, dass der Dienst rechtmässig aktiviert worden sei, weshalb keine Rückerstattung in Betracht falle.

Da eine Rückerstattung ausdrücklich abgelehnt wird, ist der Einigungsversuch mit dem Dienstanbieter Z gescheitert.

Am 18. Januar 2016 sendet die Kundin eine E-Mail an Y und fordert die Rückerstattung resp. den Verzicht auf die strittigen Mehrwertdienstgebühren. In der E-Mail der Kundin an Y wird u.a. darüber informiert, dass Z eine Rückerstattung abgelehnt hatte bzw. sie als Kundin mit dem ausländischen Dienstanbieter Z keine Einigung finden konnte („Die Beanstandung mit der Forderung nach Rückerstattung dieser Beträge wird dann von Z abgelehnt“). Zudem erwähnt die Kundin, dass sie sich bereits schon einmal an Y gewendet habe ("...komme ich damit nochmals auf die Y zurück“).

Gleichentags erhält die Kundin von Y die Antwort, sie solle sich an den Mehrwertdienstanbieter wenden, da Y keine Rückerstattungen vornehme. Daraus lässt sich kein Entgegenkommen ableiten, weshalb der Einigungsversuch auch mit der Fernmeldedienstanbieterin Y gescheitert ist.

Frau X hat ihren Versuch zur Einigung mit dem ausländischen Dienstanbieter Z wie auch mit Y glaubhaft dargelegt.

Die weiteren Voraussetzungen zur Einleitung des Verfahrens mit Y und zur Vermittlung zwischen den Parteien durch den Ombudsmann sind insbesondere auch basierend auf den nachfolgend ergänzenden Ausführungen gegeben:

Das vorliegende Vertragsverhältnis kann im Wesentlichen als Vierparteienverhältnis qualifiziert werden: die Kundin als Konsumentin des in Frage stehenden Mehrwertdienstes (1), der Mehrwertdienstanbieter bzw. Dienstanbieter, der den Mehrwertdienst effektiv erbringt (2) und die Y als Fernmeldedienstanbieterin, wobei zu unterscheiden ist zwischen Y als Rechnungsstellerin (3) und Y als Betreiberin und Inhaberin einer Bezahlfunktion (4). Gestützt auf diese Konstellation kann allenfalls das Institut des echten Vertrages zu Gunsten eines Dritten gemäss Art. 112 OR herangezogen werden. Der Kundin (Promittentin) steht gestützt auf die Solidarforderung nach Art. 150 Abs. 2 OR wahlweise das Recht zu, entweder an den Mehrwertdienstanbieter (Promissar) oder die Fernmeldedienstanbieterin (Dritten) zu leisten. In der Folge kann die Kundin gegenüber der Fernmeldedienstanbieterin (Dritten) auch jegliche Einreden und Einwendungen geltend machen, welche ihr gegen den Mehrwertdienstanbieter (Promissar) offen stehen. Y leitet aus dem Rechtsverhältnis Rechte und Pflichten ab (Recht zur Einforderung der Mehrwertdienstgebühren, Verpflichtung die Gebühren bei der Kundin einzufordern) und wird zur Adressatin der Einwendungen der Kundin.

Folgende Grundlagen zur Rechnungsstellung von Mehrwertdienstgebühren finden sich in den AGB von Y: In Ziffer 7 emächtigt sich die Fernmeldedienstanbieterin zur Belastung von Waren und Dienstleistungen auf der Fernmelderechnung. Benutzt die Kundin ihren Anschluss für den Bezug von Dienstleistungen einer Drittpartei, so ist Y gemäss Ziffer 12 nicht Vertragspartei und übernimmt keine Haftung oder Gewährleistung für die bestellten oder bezogenen Dienstleistungen und Waren. Dies auch dann nicht, wenn sie das Inkasso von Drittforderungen durchführt, was vorliegend der Fall ist. Entsprechende gesetzliche Bestimmungen finden sich in Art. 38 FDV, welcher die Pflichten der Fernmeldedienstanbieterin bei der Rechnungsstellung von Mehrwertdiensten genau definiert.

In Ziffer 12 der AGB statuiert sich Y in der Konstellation mit einem Mehrwertdienstanbieter ausdrücklich nicht als Vertragspartei. Der Ombudsmann erachtet diese Bestimmungen in Bezug auf die Rechnungsstellung als problematisch. Wenn der ausländische Dienstanbieter seine Forderung nicht belegt und sein Sitz im Ausland die Teilnahme am Schlichtungsverfahren verhindert, wird die Bestimmung in Ziffer 12 der AGB zu einer kundenfeindlichen AGB-Klausel. Diese kann unter Berufung auf Art. 8 UWG unter Umständen zur Nichtigkeit oder ersatzlosen Streichung führen. Die Klausel äussert sich nur pauschal zum vorliegenden Mehrparteienverhältnis und die vertraglichen Pflichten des Kunden stehen in einem erheblichen Missverhältnis zu den vertraglichen Rechten, welche Y daraus ableitet. Daneben, dass die Kundin nach einer erfolglosen Beanstandung wohl kaum den Rechtweg gegen den ausländischen Dienstanbieter anstreben oder dabei obsiegen wird, verbleibt Y nach wie vor das allenfalls zu unrecht geltend gemachte Forderungsrecht. Bestreitet die Kundin die Forderung, wird der Mobiltelefonanschluss der Kundin gestützt auf den in Art. 38 Abs. 4 FDV formulierten Schutz nicht gesperrt, jedoch darf die Fernmeldedienstanbieterin die Kundin für die ausstehende Forderung mahnen, was unter Umständen zum Beizug eines Inkassounternehmens und zu Zusatzgebühren (Verzugsschaden, Bonitätsprüfungskosten, Verzugszinsen) und zu erheblichen Nachteilen (Eintrag in eine Bonitätsdatenbank) führen kann. Aufgrund dessen erscheint eine Erfüllung von Art. 8 UWG durchaus möglich. Im Zeitpunkt des Vertragsschlusses und beim Akzept der AGB von Y konnte Frau X die rechtliche Tragweite dieser Klausel (Ziffer 12) nicht vorhersehen. Eine weniger restriktive Anwendung dieser Klausel wäre gestützt auf die vorstehenden Ausführungen angebracht.

D. ÜBERLEGUNGEN DES OMBUDSMANNS

1. Ausgangslage und Problemstellung

Der Ombudsmann hat vorliegend zu überprüfen, ob die Kundin das Abonnement des Dienstanbieters Z aktiviert hat und ob die Mehrwertdienstgebühren im Totalbetrag von CHF 192.00 geschuldet sind.

2. Allgemeines und gesetzliche Grundlagen zu den Mehrwertdiensten (SMS/MMS)
2.1 Definition Mehrwertdienst

Der Begriff Mehrwertdienst wird in Art. 1 lit. c der Verordnung über die Fernmeldedienste (FDV, SR 784.101.1, Stand 1. Juli 2015) wie folgt definiert: Eine „Dienstleistung, die über einen Fernmeldedienst erbracht und von einer Anbieterin von Fernmeldediensten zusätzlich zu Fernmeldediensten in Rechnung gestellt wird.“ Dabei handelt es sich um den Erhalt von kostenpflichtigen SMS und/oder MMS, um Anrufe auf 090x-Rufnummern (sog. Premium-Rufnummern) oder um sonstige Bezüge von Mehrwertdiensten, welche der Mehrwertdienstanbieter über einen Fernmeldedienst (z.B. Mobilfunknetz oder Internetverbindung) erbringt und von den Fernmeldedienstanbietern in Rechnung gestellt werden.

2.2 Arten von Mehrwertdiensten

Bei den Mehrwertdiensten kann zwischen kostenpflichtigen Abonnementsdiensten (sog. Push-Dienste) und Diensten auf Verlangen (sog. Pull-Dienste) unterschieden werden:

Ein Abonnementsdienst beinhaltet in der Regel eine Mehrzahl von SMS-Nachrichten, welche nach einer Anmeldung resp. erfolgreicher Aktivierung ohne aktives Zutun des Kunden in regel- oder unregelmässigen Abständen auf dem Mobilfunkgerät erscheinen. Nach der Aktivierung muss der Kunde grundsätzlich nichts mehr unternehmen, da er automatisch Zugang zum Mehrwertdienst (Push-Dienst) erhält. Dies so lange, bis er den Mehrwertdienst von sich aus beendet. Der effektive Mehrwertdienst bei den Push-Diensten wird z.B. in Form einer Chat-Nachricht oder einer Bild- oder Videodatei auf dem mobilen Gerät erbracht. In gewissen Fällen erhält der Kunde auch Zugang zu einer Plattform, auf welcher er den Mehrwertdienst konsumieren kann.

Ein Dienst auf Verlangen ist ein Mehrwertdienst, welcher aus einer Einzelinformation besteht, die dem Kunden in der Regel via SMS oder MMS zugeschickt wird, nachdem er sie via SMS oder MMS angefordert hat. Das heisst, der Kunde fordert mit seinem mobilen Endgerät aktiv eine Information, beispielsweise den aktuellen Wetter- oder Schneebericht an und bezahlt für nur diese einzelne Dienstleistung.

2.3 Rechtliche Vorgaben

Gemäss Art. 11abis PBV darf die Dienstleistung dem Kunden nur in Rechnung gestellt werden, wenn ihm der Preis gut sichtbar und deutlich lesbar auf der Schaltfläche zur Annahme des Angebots bekannt gegeben (Art. 11abis Abs. 2 lit. a PBV) oder dieser Preis in unmittelbarer Nähe der Schaltfläche zur Annahme des Angebots gut sichtbar und deutlich lesbar angezeigt wird und auf der Schaltfläche entweder der Hinweis «zahlungspflichtig bestellen» oder eine entsprechende eindeutige Formulierung gut sichtbar und deutlich lesbar angebracht worden ist (Art. 11abis Abs. 2 lit. b PBV). Die Annahme des Angebots ist gegenüber dem Fernmeldedienstanbieter auf einer Checkout-Seite nochmals ausdrücklich zu bestätigen (Art. 11abis Abs. 3 PBV).

Bei den Abonnementsdiensten (sog. Push-Dienste) muss der Mehrwertdienstanbieter den Kunden vor der Aktivierung zusätzlich (im Unterschied zu den „Diensten auf Verlangen“) kostenlos und unmissverständlich über eine allfällige Grundgebühr, den Preis pro Einzeleinheit, das Vorgehen zur Deaktivierung des Dienstes sowie die maximale Anzahl der Einzelinformationen pro Minute informieren. Diese Hinweise müssen am Ort der Bekanntgabe und auf dem mobilen Endgerät (z.B. Smartphone oder Tablet) angegeben werden (Art. 11b Abs. 1 PBV). Erst nachdem der Kunde die entsprechende Information erhalten und die Annahme des Angebots ausdrücklich mit dem mobilen Endgerät bestätigt hat, darf der Mehrwertdienst verrechnet werden (Art. 11b Abs. 2 PBV). Der Mehrwertdienstanbieter muss in jeder nach der Anmeldung zugestellten kostenpflichtigen Einzelinformation auf das Vorgehen der Deaktivierung des Dienstes hinweisen (Art. 11b Abs. 3 PBV).

Schliesslich dürfen die kostenpflichtigen Einzelinformationen sowie die Summe der pro Minute zugestellten Einzelinformationen den Betrag von CHF 5.00 nicht übersteigen (Art. 39 Abs. 3 FDV). Die Summe aller Gebühren pro Anmeldung (Grundgebühr, Fixgebühren und zeitabhängige Gebühren) darf zudem die Grenze von CHF 400.00 nicht überschreiten (Art. 39 Abs. 4 FDV). Wird die Grenze von CHF 400.00 erreicht, muss der Mehrwertdienstanbieter den Dienst automatisch beenden und den Kunden zur erneuten Aktivierung auffordern.

2.4 An- und Abmeldeverfahren in der Praxis

Das Anmeldeverfahren zum Kauf oder Abonnieren des Mehrwertdienstes kann auf verschiedene Arten stattfinden. Dabei ist entscheidend, ob der Mehrwertdienst im Zusammenhang mit einer Kurznummer oder mittels WAP-Billing erfolgt.

Beim Vorliegen einer Kurznummer erfolgt die Anmeldung durch Versenden einer Startnachricht des Kunden per SMS mit dem Keyword „Start“, „Ok“ oder „Ja“ an die entsprechende Kurznummer. Anschliessend erhält der Kunde eine Willkommensnachricht mit den nötigen Informationen zu den Kosten, der Anzahl der Einzelinformationen und zur Abmeldung. In gewissen Fällen aktiviert die Startnachricht des Kunden mit dem Keyword „Start“, „Ok“ oder „Ja“ direkt den Mehrwertdienst.

Wird der Mehrwertdienst im Zusammenhang mit der Bezahlfunktion „EP“ angeboten, welche den Kunden von Y vorbehalten ist, wird der Kunde nach einem Klick auf »Kaufen« automatisch auf eine Seite weitergeleitet. Dies stellt die Bestätigungsseite (Checkout-Page) dar.

Will sich der Kunde vom abonnierten Dienst abmelden, muss eine Nachricht z.B. mit dem Keyword „Stop“ an die betroffene Kurznummer gesendet werden.

3. Informationen zum Mehrwertdienst

Dem Ombudsmann liegen E-Mails von Z vor, welche die Kundin vom Dienstanbieter im Rahmen des Beanstandungsverfahrens erhalten hat. Im E-Mail vom 18. Dezember 2015 gibt der Dienstanbieter an, dass die Kundin am 6. Juli 2015 den Dienst aktiviert habe:

„Wir haben Ihren Fall bei unserer technischen Abteilung überprüfen lassen, und haben die folgenden Aktivationsdaten bekommen, die von Ihrer Handynummer stammen:

Service *Number * *Open at * Closed at ZZ XXX XXX XX XX
06 Jul, 2015 - 15:19:47 15 Dec, 2015 - 06:39:42

Der Dienst ZZ ist eine E-Learning Applikation, welche dem Teilnehmer die Möglichkeit des Lernens für unterwegs bietet. Jeder Kurs enthält Tests, Fragen, Videos, Audio- und andere Funktionen, welche dem Teilnehmer eine neue Lernerfahrung über das Mobiltelefon bietet. Das Abonnement für den ZZ Service kostet CHF 8.00 pro Woche und der Benutzer wurde über die Geschäftsbedingungen des Dienstes vor Anmeldung informiert. Die Gebühren fallen erst nach erfolgter Bestätigung durch den Kunden an. Wir bestätigen Ihnen, den Dienst gekündigt zu haben. Tatsache ist, dass die Webseite von Ihrem Mobiltelefon abgerufen wurde und Sie die verschiedenen notwendigen Schritte, um den Dienst zu abonnieren, bestätigt haben, wo Sie ebenfalls über die genauen Kosten und die Art der Abmeldung vom Dienst informiert wurden. Wenn Sie sich nicht erinnern die Aktivierung des Abonnements selbst getätigt zu haben, überprüfen Sie bitte, welche anderen Mitglieder Ihres Haushalts Zugriff auf Ihr mobiles Gerät haben und den Service aktiviert haben könnten.“

Um mehr über die erwähnte Webseite erfahren zu können, hat der Ombudsmann die Webseite www…. am 12. Februar 2016 besucht und wurde sogleich gefragt, ob er sich schon angemeldet habe. Folgender Text wird angezeigt:

„Bitte klicken Sie auf den Link, den Sie per SMS erhalten haben, um auf die ZZ zuzugreifen. Hast du Dich schon angemeldet? Geben Sie Ihre Handynummer ein um zu bestätigen - Anmelden.“

Nachdem die Webseite am 4. März 2016 erneut durch den Ombudsmann besucht wurde, konnte keine Anmeldung mehr erfolgen. Es waren einzig Erklärungen zur Dienstleistung sichtbar. Der Ombudsmann geht davon aus, dass der Dienst nachträglch entfernt wurde.

Sofern nach Eingabe der Nummer jedoch bereits ein kostenpflichtiges Abonnement entsteht, ist dieses ungültig und die Kosten unrechtmässig. In diesem Fall wäre der Kunde nirgends auf die Erfordernisse gemäss Art. 11b Abs. 1 der Preisbekanntgabeverordnung (PBV) hingewiesen worden.

Mangels weiterführender Informationen zur Anmeldung des Dienstes auf der Webseite www…. kann der Ombudsmann nur Annahmen treffen und die Einhaltung der einschlägigen Bestimmungen über die Schwellenwerte der Fernmeldedienstverordnung (FDV) oder der Preisbekanntgabeverordnung (PBV) nicht überprüfen.

4. Schlussfolgerung

Vorliegend sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die an der Glaubwürdigkeit der Kundin Zweifel aufkommen lassen. Der Ombudsmann muss davon ausgehen, dass die Kundin die Mehrwertdienstgebühren zu Recht bestreitet. Der Dienstanbieter liefert im Zusammenhang mit der Mobilenummer 07x xxx xx xx lediglich pauschale Angaben zum Abonnement sowie das Datum der Aktivierung und der Schliessung des Dienstes. Dies sagt dem Ombudsmann zu wenig über die Rechtmässigkeit der Forderung in Höhe von CHF 192.00 aus. Offen bleibt die Frage, wie es überhaupt zur vermeintlichen Registrierung gekommen ist und ob die Kundin bei der Anmeldung hinreichend auf die Kosten hingewiesen wurde. Eine Überprüfung der Preisbekanntgabe ist nicht möglich. Auch Y lieferte keine sachdienlichen Informationen diesbezüglich. Kann die in Rechnung gestellte Forderung nicht nachgewiesen werden, muss sich Y dieses Versäumnis anrechnen lassen.

Nach Meinung des Ombudsmanns ist die Forderung nicht geschuldet, weshalb er Y dazu bewegen möchte, im Kundenkonto von Frau X eine Gutschrift in Höhe von CHF 192.00 zu veranlassen. Y hat die Möglichkeit, sich mit einem Regress auf Z schadlos zu halten.

Der Ombudsmann unterbreitet den Parteien den folgenden Schlichtungsvorschlag:

E. SCHLICHTUNGSVORSCHLAG

  1. Y schreibt nach Erhalt der Bestätigung über den erfolgreichen Abschluss des Schlichtungsverfahrens dem Kundenkonto von Frau X einen Betrag in Höhe von CHF 192.00 gut.

  2. Nach Erfüllung von Ziffer 1 sehen sich die Parteien per Saldo aller Ansprüche diese Streitigkeit betreffend vollständig auseinandergesetzt.

  3. Dieser Schlichtungsvorschlag wird von beiden Parteien freiwillig und ohne Schuldeingeständnis angenommen.

Bern, 24. März 2016


Dr. Oliver Sidler
Ombudsmann